Bierhähne nahmen die „Schnulzensänger“ aufs Korn

Pressemitteilung der Sächsischen Zeitung vom 01.11.2011 von Jost Schmidtchen

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Es wird Zeit, den deutschen Schlager zu retten“– Unter diesem Motto traten am Sonntag „Die Bierhähne“ von der „Urkomisch-musikalischen Männerwirtschaft“ des „Radeberger Biertheaters“ in der Lausitzhalle auf.

Die Schlagerrettung gelang auf phantastische Weise dank der Verstärkung der singenden Ingeborg, der Schwester vom Andy Borg (Jens Albrecht), die in Wahrheit vom mdr kam, um zu überprüfen, ob die Schlagershow der Bierhähne bühnentauglich ist.

Eingebettet war das mit unzähligen Lachern gespickte Programm in eine musikalisch unterhaltsame Bühnenshow, die man früher Operette genannt hätte. Nur, dass es bei den „Bierhähnen“ als Happyend die geglückte mdr-Hitparade gab und nicht die sentimentale Zuneigung zu den außer Rand und Band geratenen Ehen von Blumi (Holger Blum) und Hans-Jürschn (Hans Jörg Hombsch). Dieses Mal blieben Blumis 2,20-Meter-Bärbel und Hans Jürschn seine Ilona nur Randfiguren im Sinne einer angedachten Operette. Im Mittelpunkt standen im ersten Teil zwar noch Blumis Erinnerungen an seine Bärbel, die hatten es aber auch in sich: Beim Zahnarzt lernte er sie kennen, daran erinnerte das „Zahnarztlied“, es folgte dann der erste Treff am Fucikplatz in Dresden, der heute so nicht mehr heißt. Aber das alte Lied aus gleichen Zeiten „Hätt ich noch mal die Wahl“ ist noch immer gut, denn Blumis Wahl fiel auf Bärbel. Die Wahl war weniger gut, sie ging nach der Heirat in die Hosen.

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Das Trinken spielt bei den „Radeberger Bierhähnen“ eine zentrale Rolle. Getrunken wird aber nur alkoholfreies Bier und aus den Schnapsflaschen Tee. „Sonst würden wir schon umfallen, ehe es überhaupt richtig losgeht“, sagte Blumi zu TAGEBLATT. „Wir sind überhaupt keine Trinker.“ Auch wenn Blumi seine Glanzrolle als Helfried Pilsator, Weltmeister im Bierathlon, wieder voll ausspielte. Dazu gründete er die „Trinkerpartei“ und sang „Trinker an die Macht“.

Die 650 Lausitzhallen-Besucher waren völlig aus dem Häuschen, im zweiten Teil wurde es noch interessanter. Da hieß es: „Die Bierhähne retten den deutschen Schlager“. Da wurde es dann nicht nur operettenhaft, sondern es wurde den deutschen Schlager- und Schnulzensängern einmal in die so genannten Erfolgskarten geschaut. Wie macht man eine Schlagershow? „Die Bierhähne“ deckten das auf, mit Dingern, die sie anderswo kennenlernten. Musikalische Volksverdummung auf der ganzen Linie mit sentimentalen Gags und dümmlichen Ansagen. Dazu natürlich viel Bier, „15 Liter trank ich hier“. Es folgten „Schlager“ vom Bierhahn, von der dreckigsten Kneipe Dresdens, dem „Dreckigen Löffel“, in dem sich vor 20 Jahren „Die Bierhähne“ gründeten und die nun mit „gekofferten“ Hits, so von Nina Hagen mit dem Trinkhit von „Hittensee“: „Uns ist der Farbfilm gerissen in dieser Nacht“ wahre Publikumsovationen feiern, auch in der Lausitzhalle. So werden „Die Bierhähne“ eben auch Hitparadenkönige.

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Für weitere Titel sorgten Vorlagen von Adamo, Ute Freudenberg und Kinderlieder aus dem Butzemannhaus.
Vielleicht schreibt einmal ein richtiger Librettist, sofern es noch einen gibt, eine Operettenvorlage für „Die Bierhähne“. Ihre gespielte „Sauferei“ und die „Leiden“ der Ehefrauen Bärbel und Ilona bieten sich ja förmlich an. Auch für ein Happyend. Das gab es in der Lausitzhalle auch: „Die Bierhähne“ werden jetzt dank Ingeborg die neuen Schlagerkönige beim mdr. Auf jeden Fall am 31. Dezember in der musikalischen Silvestershow werden sie zu sehen sein.

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