Nackte Haut im Biertheater;

Pressemitteilung der "Sächsischen Zeitung" vom 26.11.2011 von Jens Fritzsche/ Fotos: Willem Darrelmann

Im neuen Stück „Heute wegen gestern geschlossen“ gibt es jede Menge zu lachen. Und einen Hauch Erotik.

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Ein Biertheaterschwank, der mal nicht in Malzau spielt, wo ja seit zehn Jahren die Biertheaterfamilie Backental wohnt, um die sich die Biertheatergeschichten drehen? Kann das gut gehen? Ein Biertheaterschwank sogar ohne die Familie Backental? Und wie gut das gehen kann! Das neue Stück „Heute wegen gestern geschlossen“ – das Donnerstagabend umjubelte Premiere feierte – beweist es.

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Ausgedacht hat sich das Ganze Biertheaterurgestein Holger Blum – und die Idee dahinter ist so einfach wie genial und damit wirklich einfach geniall. Eine Frau und ein Mann sind verheiratet, leben aber nur noch in einer nicht mal mehr eheähnlichen Gemeinschaft nebeneinander her. Sie bügelt und telefoniert, er liest Zeitung und kommt kaum zu Wort. Eine sächsische Durchschnitts-Ehe also. Doch plötzlich ein Anruf, die Schwiegermutter ist krank, die Frau verlässt das Haus und der Mann hat endlich mal wieder sturmfrei. Er lädt sich zwei Kumpels ein – und am nächsten Morgen wachen alle drei nach durchfeierter Partynacht mit Filmriss auf. Das Auto ist Schrott, eine fremde Frau huscht halbnackt durch die Wohnung und die Polizei sucht nach Randalierern, die einen schweren Autounfall fabriziert und auch noch sämtliche Rosen aus dem Rosengarten der Stadt geklaut haben… Darauf baut sich ein urkomisches, aber jederzeit gut verständliches Verwirrspiel auf, bei dem der Zuschauer nicht nur ausgiebig lachen kann, sondern sich auch als Detektiv fühlt – denn natürlich will man miträtseln, wie das Spiel ausgeht. Eines darf verraten werden: Es geht gut aus!

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Zwei Stunden lang knallt dabei eine Pointe nach der anderen. Die Akteure laufen zu Höchstform auf – geben spleenig-liebenswerte Charaktere. Figuren und Dialoge, in denen sich so mancher im Saal offenbar wiederfand. „Bevor ich etwas schreibe, beobachte ich Leute in Gaststätten oder auf der Straße“, verrät Autor Holger Blum. Und kann sich auf seine Mitstreiter verlassen. Wie Jens Albrecht wunderbar tantig eine Nachbarin mimt, die Falschparker verpfeift, ist grandios. Wie Thomas Rauch einen Gernegroß mit Fischkopp-Dialekt gibt, den man trotz seines fiesen Charakters ins Herz schließt, ist groß. Wie Hans-Jörg Hombsch zwei Stunden lang perfekt im Erzgebirgsdialekt einen gutmütigen Polizisten spielt, ist urkomisch. Nicht minder die beiden echten Damen im Stück! Beate Dangrieß als lispelnd-sächselnde Ehefrau ist der Brüller, und Norma Fehre als begehrte junge Schöne lässt einen Hauch Erotik über die Bühne wehen, nicht ohne das mit einem Augenzwinkern zu spielen. Hauptakteur Holger Blum brilliert zudem nicht nur als genervter Ehemann, sondern auch als breakdancender Betrunkener – muss man gesehen haben!

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Gewürzt ist der Abend mit einfühlsamen, wohl dosierten Liedern (komponiert von Hans-Jörg Hombsch) – und mit grandiosen Regieeinfällen. Regisseur Jörg Brettschneider hat sich mit Unterstützung vom als Co-Regisseur agierenden Thomas Rauch viel einfallen lassen. Da werden Gedanken der Akteure vom Band eingespielt; und auch ein Fernseher spielt mit. Wunderbare Ideen für einen wunderbaren Abend. Der Mut, auch mal das geliebte Malzau zu verlassen, dürfte von den Zuschauern belohnt werden. Die nächsten Aufführungen sind jedenfalls schon weitgehend ausverkauft….

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