Humor für Bauch und Kopf im Biertheater

umjubelte Premiere für ein Chaos im Rathaus

Die Bierhähne wollten mit ihrem Stück „Chaos im Rathaus“ durchaus neue Wege gehen: eine wirklich urkomische Polit-Satire ist es letztlich geworden.

Chaos Im Rathaus

Es gehört sicher Mut dazu, eingetretene Pfade zu verlassen. Oder zumindest zu verbreitern – und sich dennoch treu zu bleiben. Ein schwieriger Spagat, ein mutiger. Die Bierhähne aus dem Radeberger Biertheater haben diesen Mut und zeigen es ganz deutlich in ihrem neuen abendfüllenden Schwank „Chaos im Rathaus“, der Donnerstagabend im Kaiserhof eine wirklich umjubelte Premiere feierte. Die Bierhähne – Hans-Jörg Hombsch und Holger Blum – präsentieren sich diesmal nicht allein und nicht allein als Musik-Comedians, sondern sie haben sich mit Cony Wilhayn, Jens Albrecht und Frank Müller schauspielerische und gesangliche Verstärkung auf die Bühne geholt und gemeinsam mit Regisseur Holger Böhme einen Theaterabend geschrieben, der vor politischer Satire und Anspielungen auf Debatten um politischen Filz nur so strotzt. „Wir wollten zeigen, dass wir auch das können“, sagte Hans-Jörg Hombsch im Anschluss an die Premiere – und war sichtlich erleichtert, dass es das Publikum so gut angenommen hatte.

Chaos im Rathaus - Hombschi

Stück voller Anspielungen

Natürlich bleiben sich die Bierhähne dennoch treu – der sächsische Humor rund ums Thema Bier, die Wortspiele und ihre urkomischen Witze kommen dennoch nicht zu kurz. Das Stück bietet dazu auch jede Menge Möglichkeiten! Es geht um einen Bürgermeister, der seit über 30 Jahren im Amt ist und trotzdem nicht immer weiß, was in seiner Verwaltung so läuft. Es geht um klamme Stadtkassen – so werden beispielsweise die Toiletten im einzigen Hotel am Platze gesperrt, und die Touristen müssen stattdessen die öffentliche Gemeinde-Toilette nutzen, damit Geld in die Kasse fließt… Es geht um gewagte Finanz-Jonglagen im Haushalt, und es ist eine urkomische Verwechslungskomödie geworden, wo Männer ihre schwangeren Frauen und auch ihre eigenen Mütter spielen… Und natürlich gibt es ein Happy-End!

Blues Brother

Es ist etwas Neues, „ohne uns zu verleugnen“, beschreibt Hans-Jörg Hombsch. Bisher schrieben die Bierhähne komödiantische Lieder, die sich vor allem um das schwierige Zusammenleben von Frauen und Männern und auch um den Gerstensaft und dessen Auswirkungen drehten – und sie strickten dann für ihre Abend-Shows einen roten Faden rundum. Jetzt war zu erst das Theaterstück da und die Lieder wurden hineingeschrieben. „Man muss sich schließlich weiterentwickeln“, findet Holger Blum. Er war es auch, der dann für den traditionellen Abschluss der Biertheater-Abende – die Bierhähne als Musiker allein auf der Bühne – Liedtexte verfasste, die politischer kaum sein könnten. „Wir hatten das Gefühl, dass die Leute das von uns erwartet haben, wollten, dass wir laut sagen, was viele denken.

Jens Fritzsche
Sächsische Zeitung vom 03.05.2008

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