Umjubelte Premiere im Radeberger Biertheater
Pressemitteilung der Sächsischen Zeitung vom 04.10.2008 von Jens Fritzsche, Fotos: Michael Trapp
Das neue Biertheater-Stück „Au, Backe“ lässt das Premierenpublikum vor Lachen brüllen. Am Ende gibt’s donnernden Applaus.

Einen Vogel namens Silber-Ibis dürfte wohl kein Lexikon kennen. Das könnte zum einen daran liegen, dass sich Biertheater-Autor Peter Flache dieses Tier für das neue Stück Au, Backe nur ausgedacht hat, oder dass diese Vogelart wirklich so selten ist, dass sie nicht nur vom Aussterben bedroht ist, sondern auch nur von ganz wenigen Vogelkundlern gekannt wird. Von Dr. Dremel zum Beispiel. Der hat diese ganz spezielle Vogelart nämlich im kleinen Dörfchen Malzau entdeckt und muss sie schützen. Denn Dr. Dremel (wunderbar spleenig gespielt von Jens Albrecht) geht ganz in seiner Wissenschaft auf –oder vielleicht doch nur darin, die ornithologischen Thesen eines von ihm gehassten Kollegen unbedingt widerlegen zu wollen? Jedenfalls ernähren sich die seltenen Silber-Ibisse von Bier. Von viel Bier.
Und so legt das Dörfchen Malzau gleich einen ganzen Bier-See an. Das begeistert die Bewohner des Dörfchens natürlich, denn sie können nun im wahrsten Wortsinn im Bier baden. Was allerdings nicht allen im Dorf gefällt: Hauptheld „Backe“ (gespielt von Peter Flache) ist genervt, weil für ihn der Reiz am Biertrinken verloren gegangen ist. Vielleicht sogar der ganze Sinn des Lebens ist Wanken gerät. Denn bisher musste er mit seinem Kumpel Harry (gespielt vo Bierhahn- Blumi)stets heimlich Bier trinken (Harry frostet als eiserne Reserve sogar Weinbrand in unauffälliger Brühwürfel-Form im Kühlschrank ein). Backes Frau versuchte bisher nämlich alles, den Bierkonsum ihres Mannes erheblich einzuschränken. Und die Bürgermeisterin des Ortes – Gisela (gespielt, wie immer von Bierhahn-Hans Jürschn) mit Namen – verbot den Alkohol gleich gänzlich. Und zwar allen. Bei Strafandrohung von gemeinnütziger Arbeit übrigens!
Bürgermeisterin greift ein

Aber die Freiheit ist nur so lange interessant, bis man sie hat, ärgert sich Backe. Er will Bier trinken, „aber bitte heimlich…“ Und auch Bürgermeisterin Gisela ist überhaupt nicht begeistert – schließlich will sie bestimmen wo‘s lang geht, schließlich will sie beliebt und geliebt sein. Beide schmieden nun ein Bündnis. Die Silber-Ibisse, so viel steht für sie fest, müssen weg!
Autor Peter Flache hat sich mal wieder rundum ausgetobt in Sachen sächsischer Humor. MIt vielen Anspielungen auf politische und menschliche Schwächen. Und das Premieren-Publikum im Saal brüllte stellenweise tatsächlich vor Lachen. Peter Flache hat sein Thema gefunden: „Die Sachsen sind ein Menschenschlag, der immer will, dass alles besser wird, aber möglichst nichts anders – daraus lässt sich eine ganze Menge witziger Geschichten machen“, sagt er, wenn er erklären soll, warum seine Stücke so gut ankommen. Auch im neuen Stück wollen die Malzauer ausbrechen aus dörflicher Enge, Weltbürger sein (vielleicht sogar ein bisschen Weltkulturerbe?), um schnell zu merken, dass sie ihre liebgewordenen Gewohnheiten eigentlich gar nicht aufgeben wollen. Weil sie vielleicht gerade aus dieser Bodenständigkeit ihre Stärke ziehen?

Auch dieses Stück – das mittlerweile siebente! – ist wieder ein liebevoller Blick in die sächsische Seele geworden. Mit ein bisschen mehr Musik als bisher vom Biertheater gewohnt, mit überraschenden Regie-Einfällen (Regie Holger Böhme): Wenn Dialoge beispielsweise mal ohne Worte, sondern nur mit Hilfe von Vogelstimmen-Pfeifen und urkomischer Pantomime geführt werden. Das Publikum tobte vor Begeisterung. Die meisten Vorstellungen bis Weihnachten sind schon restlos ausverkauft. Ein guter Entschluss der Käufer! Auf ein Wort